Erlebnisbericht vom 2. Ungarn Fly-In in Jakabszallas
von Bernd Hamacher (26. August 2007)

 

Nun sind es schon wieder fast zwei Wochen her, seit wir in Jakabszallas gewesen sind und fast wehmütig erinnert man sich an dieses schöne Fly-In. Allein schon der Flugplatz mitten im Naturschutzgebiet der Puszta mit seinem paprikaroten Hoteldach, dem gepflegten Rasen und den akkurat gestutzten Rabatten ist schon ein Erlebnis. Wo gibt es schon ein Hotel, das für seine Gäste einen gefliesten Hangar vorhält?! Und wenn man je das Glück hatte, dort in der Stille der Puszta den pechschwarzen Sternenhimmel zu genießen und die Wirbel der Milchstrasse zu verfolgen, kommt sich fast wie in einer anderen Welt vor. Aber neben dem Platz sind es vor allem die Menschen mit ihrer Gastfreundschaft, die bei uns immer wieder einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wo findet man es noch, dass mit dem Organisator dieses Fly-Ins – Peter Marton - seine Lebensgefährtin, seine Brüder und sein Neffe mit ihren gesamten Familien anrücken, um den ankommenden Besatzungen ein frisches Bier zu kredenzen, den Gästen beim Check-In zu helfen oder um einfach nur dabei zu sein und ihr Ungarn zu vermitteln? Wo findet man, dass der Flugplatzchef höchstpersönlich jeder mitfliegenden Dame eine Rose überreicht, zudem noch selbst anpackt, wenn Flugzeuge zu schieben sind oder Ground-Power organisiert werden muss und spätabends wie selbstverständlich dafür sorgt, dass die Flugzeuge vor dem aufziehenden Gewitter in die Halle gebracht werden? Wo gibt es das schon, dass ein Airbus-Kapitän zwei Nachmittage auf der Gartenbank neben dem Hangar verbringt, um die ausländischen Gäste mit Luftfahrtenglisch zu empfangen und der mit Handfunke und Blick auf den Windsack Landeinformationen gibt, dass man meint, man habe es mit einen technisch vollausgerüsteten Tower zu tun? Mehr noch: Dieser Mann hat für das Wochenende seine Werkstatt und einen Mechaniker bereitgestellt, damit Hilfe bereit steht, wenn bei einer Mooney ein technisches Problem aufgetaucht wäre oder etwas gerichtet werden muss. Das hat man gar nicht gemerkt! Da hat auch keiner gedröhnt, wie wichtig er sei – es war einfach da und es war gesorgt! Und versuche einer mal in Deutschland einen Flugplatz in der Botanik für ein Wochenende zum Zollflugplatz zu erklären. Ich habe selbst einmal versucht, am Flugplatz Konstanz – eine Stadt die von Zollbeamten wimmelt - eine Zollabfertigung zu bekommen. Aussichtslos! Sie kamen zwar zum Flugplatz, aber nur um zu erklären, dass sie nicht in die Pässen schauen könnten. Und in Jakabszallas standen drei Tage lang freundliche Zollbeamten zur Verfügung, die völlig unaufdringlich für die Formalitäten bürgten. Das liegt nicht an unserer Bürokratie – denn auch in dem ehemals sozialistischen Staat Ungarn gibt es reichlich Bürokratie – es liegt an einem Verständnis von Gastfreundschaft, dass in seiner Unaufdringlichkeit selten geworden ist. Deshalb liebe ich diesen Platz und seine Menschen.

Aber zurück zum Event: Am Donnerstag, den 9. August war alles für das 2. Ungarn Fly-In bereit: Peter Marton hatte alles perfekt vorbereitet! Das Aero-Hotel direkt am Flugplatz war komplett für uns reserviert, die Abstellplätze für die Mooneys waren abgesteckt, Zoll und Landebier stand bereit, es herrschte strahlender Sonnenschein und die Temperaturen lagen über 30° C. Aber am Abend standen dennoch lediglich 3 Flugzeuge unserer Community auf dem Vorfeld: Die D-EHHL, die schon einige Tage früher gekommen war, die HB-DGN unseres Atlantikfliegers Egon Steiner, der mit 4 Personen IFR aus Grenchen angereist war und die Globe-Swift unseres Alt-Mooniacs Heiko Bienek, der es sich trotz absolutem „Pisswetter“ nicht nehmen lassen wollte, wieder bei den Mooniacs dabei zu sein.

Was war geschehen? Ganz offensichtlich ließ uns das Wetter im Stich. Ganz Süddeutschland lag unter einer ausgedehnten Regenfront. Für das Alpenvorland waren bis zu 100ltr/qm vorausgesagt und überall in Deutschland und Österreich bildeten sich starke Gewitter aus. Otto Klaas funkte bereits früh per E-Mail aus Bremgarten, dass er die Teilnahme wegen Wetters schweren Herzens absagen müsse. Selbst in Jakabszallas beendete zum Abend ein Gewitter die bis dahin wochenlang schöne Wetterlage.

Am Freitagvormittag traf dann die F-GMMS mit Rainer Hutz  und Birgit Vogelbruch ein. Aber nicht aus dem Frankfurter Raum, wie zunächst voller Erstaunen angenommen wurde, da sogar die Wolkenkratzer der Mainmetropole in den Wolken steckten, sondern sie kamen von Süden aus Kroatien angereist, wo jedoch ebenfalls heftige Gewitter standen. Danach blieb der Funk ruhig. Auch ein Anruf bei ATC in Budapest ergab, dass keine weiteren Flugpläne nach Jakabszallas aktiv seien!

Also war Krisensitzung angesagt: Was passiert, wenn wir zum Abend nur 5 Flugzeuge sind? Können wir dann das geplante Programm noch halten oder müssen wir ein Notprogramm schnitzen? Es wurde telefoniert und beratschlagt, ein Bus wurde vorsorglich abgesagt, bis schließlich ATC vermeldete, nun seien doch einige Flugpläne nach Jakabszallas aktiv. Erleichterung und Freude machte sich breit und am späten Nachmittag schwebten dann tatsächlich eine Reihe von Mooneys nacheinander ein, wurden mit AVGAS und Landebier versorgt und auf dem Abstellplatz aufgereiht. Und als kurz vor Sonnenuntergang Alexander Obersteg als Letzter mit seiner Mooney landete, waren immerhin 14 Mooneys und 1 Globe-Swift angekommen. Also doch genug, für das volle Programm. Also erst einmal gemeinsam ins Hotelrestaurant um bei gutem Essen, Wein und Bier die Ankunft zu genießen. Es war wieder eine geselligen Runde von Mooniacs: viele bekannte Gesichter von früheren Fly-Ins, aber auch wieder ein paar neue Besatzungen, die sich zwanglos in die Runde einfügten. Die Runde saß so lange zusammen, dass unser Gastgeber, Geza Vas, irgendwann nach Mitternacht den Zapfenstreich einläuten musste.

Am nächsten Morgen standen nach dem Frühstück für die geplanten Touren zwei Busse bereit. Die erste Tour ging – für alle Neulinge, die beim letzten Mal noch nicht dabei waren – in die Bugac Puszta, um per Pferdewagen die Landschaft zu genießen, ein Pferdegestüt zu besuchen, um dann in einer zauberhaften Csardas unter Lindenbäumen ein traditionelles ungarisches Mittagessen zu genießen. Ein Ausflug, der die Ursprünglichkeit dieses Landstriches nicht besser vermitteln könnte. Die zweite Tour ging in den nationalhistorischen Gedenkpark Opusztaszer und die nahegelegene Stadt Szeged. Wir nahmen die für uns neue zweite Tour und fuhren zunächst mit dem Bus durch die Weite Ungarns zu dem Gedenkpark Opusztaszer. In diesem Gedenkpark gibt es ein berühmtes Rundbild über die Landnahme der Ungarn vor 100 Jahren zu sehen und die im Park aufgebauten Denkmäler und Häuser vermitteln ein anschauliches Bild von der traditionellen Lebensweise der Ungarn. Nach diesem eindrucksvollen Besuch ging es weiter nach Szeged, wo wir in einem schönen Fischrestaurant am Fluss Theis unser Mittagessen einnahmen. Danach war ein Rundgang durch Szeged angesagt, die wegen ihrer vielen Sonnenstunden von mehr als 2.000 Stunden pro Jahr auch den Beinamen „Stadt der Sonnenstrahlen“ trägt. Szeged ist eine Stadt mit wunderschönen Plätzen und Häusern im Jugendstil, die in den letzten Jahren auch schön hergerichtet wurden. Also schlenderten wir mit unserem Führer durch die Stadt um zum Abschluss im Dom ein sehr eindrucksvolles Orgelkonzert auf der zweitgrößten Orgel Europas geboten zu bekommen, das Daniel Somogyi-Toth - ein flugbegeisterter Organist und Freund von Peter Marton - exklusiv für uns vorbereitet hatte. Danach ging es wieder mit dem Bus zurück nach Jakabszallas, wo wir am Abend auf der Terrasse den Tag ausklingen ließen. Das Hotel hatte einen großen Holzgrill aufgebaut, Bier und Wein standen bereit und unsere beiden Organisatoren dieses Fly-In Peter und Thomas überreichten im Verlauf des Abends jedem Teilnehmer eine Teilnahmeurkunde sowie einen wunderschönen Bildband über Ungarn, den unser Organist vom Nachmittag in zahlreichen Flügen über Ungarn zusammengestellt und veröffentlicht hatte.

Am nächsten Morgen war genaues Wetterbriefing angesagt, denn das schlechte Wetter war jetzt bis Österreich und Ungarn gelangt und für die Mittagszeit waren großräumig Gewitter angesagt. Damit blieb nur wenig Zeit für ein abschließendes Gruppenbild, bevor Mooney für Mooney an den Start ging um die Heimreise anzutreten. Auch hier überwog Hilfsbereitschaft die Förmlichkeiten. Es war wie ein Abschied unter Freunden!

Unsere Mooney Community lebt genau von diesem Engagement und der Unterstützung unserer Mitglieder. Ohne dieses persönliche Engagement hätten unsere Fly-Ins keine Erfolgchancen. Wir sind immer wieder beeindruckt und dankbar, wenn sich einzelne Mitglieder unserer Community für ein Fly-In engagieren. Aber auch hier nimmt Peter Marton eine Sonderstellung dafür ein, dass er sich die Mühe gemacht hat, dieses wunderschöne Treffen in Ungarn ein zweites Mal zu organisieren. Dir Peter und Deiner Familie danke ich im Namen der Mooney-Community an dieser Stelle ganz herzlich dafür. Geza Vas danke ich dafür, dass er den Flugplatz und sein Haus für uns bereitgestellt hat und uns väterlich versorgt hat. Ferner danke ich den vielen Helfern, die im Hintergrund für uns gesorgt haben und schließlich danke ich wieder meinem Sohn Thomas, der uns über die Mooney-Homepage so schön zusammenhält und dem es so engagiert wichtig ist, dass diese Community lebt. Ich wünsche mir, dass wir diesen Esprit halten und weiterentwickeln können. Schließlich danke ich allen Teilnehmern für das Kommen, für die Begegnungen und für das Vertrauen, dass ihr uns entgegenbringt.

Wir hatten leider diesmal verhältnismäßig schlechtes Wetter und deshalb haben viele den zauberhaften Sonnenuntergang über der Puszta verpasst. Jakabszallas hat viele Sonnentage und damit gibt es viele Abende, an denen man dort die Sonne über der Puszta untergehen sehen kann. Dies ist ein wirklich wunderschöner Anblick, den es zu genießen lohnt und der einen eng mit der Landschaft und seinen Menschen dort in der Puszta verbindet. Wer dies noch nicht erlebt hat, dem sei empfohlen, sich einen schönen Tag zu suchen und Kurs auf LHJK zu setzen. Ihr wisst ja, wo es liegt!

Mit besten Fliegergrüßen

Bernd & Thomas Hamacher

Weitere Bilder vom Fly-In findet Ihr in der Bildergalerie



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