Erlebnisbericht vom 13. Mooney Fly-In in Hannover
von Bernd Hamacher

 

mooney panorama

Ehrlich gesagt war ich schon skeptisch, ob ein Mooney-Event an einem Verkehrsflughafen eine tolle Sache wird – habe ich doch große Flughäfen eher als Feinde der Kleinfliegerei erlebt. Flughäfen stehen für mich für lange Wege, hohe Gebühren und schlechten Service. Diese Erfahrung habe ich in Deutschland und Europa vielfältig gemacht, bis ich angefangen habe, große Flughäfen zu meiden und nur im Notfall anzufliegen; man fühlte sich irgendwie abgedrängt. Ich weiß wovon ich spreche, habe ich doch mehr als 20 Jahre die Fahne am Flughafen Bremen hochgehalten um dann doch in die Peripherie auszuweichen; zu drastisch waren die Veränderungen und ausufernden Sicherheitskontrollen nach dem 11. September – also geht man, wenn man das Gefühl hat, nicht gelitten zu werden.

mooney hajAndern Moonicas mag das ähnlich gegangen sein. Den die Anmeldungen zum 13. Fly-In in Hannover liefen doch sehr verhalten ein. So kam es, dass das Programm kurzfristig gecancelled  wurde. Christopher Vitz und Bernd Juhrig hatten ein Riesenprogramm organisiert mit Flughafenbesichtigung, Stadtbesichtigung und Gala-Dinner mit dem Airport Chef; sahen sich aber angesichts der geringen Nachfrage und den damit verbundenen finanziellen Risiken gezwungen, hier abzusagen. Das kann man gut verstehen! Denn die die mooney.de hat keine Kriegskasse, die angefallene Verluste ausgleichen kann. Somit steht jeder, der ein Fly-In organisiert auch in einem finanziellen Risiko und es ist verständlich und auch nicht zumutbar, dass die, die ein Fly-In organisieren, dafür auch finanziell gerade stehen sollen. Also kam die Absage. Aber Mooniacs sind nachhaltig und sofort regte sich Widerstand unter ihnen! Die Anzahl der Teilnehmer sei nicht maßgebend für den Erfolg und man habe schon tolle Treffen bei geringer Teilnehmerzahl erlebt und man würde eine wichtige Tradition unterbrechen, wenn man das Treffen jetzt ausfallen lassen würde. Also wurde beraten, das Programm eingekürzt und das Fly-In sollte stattfinden.

Der Anflugtag, Freitag der 27. Juni, bot zwar gute Sichten und Untergrenzen, aber ein turbulenter Westwind sorgte dafür, dass sich jeder Teilnehmer die Manövergeschwindigkeit seiner Mooney in Erinnerung rief. Speziell über den Mittelgebirgen sei es doch bockig gewesen – so wurde berichtet. Aber es gab auch Profiteure des Windes und so berichtete Hans Haleber etwas verwundert, dass er mit seiner Ovation gerade 27 Minuten von Stadtlohn gebraucht habe.

mooneyDa waren sie wieder diese Moonicas die nacheinander am frühen Abend in Hannover einfielen, das Landebier entgegennahmen und im GAT stehend miteinander über Fliegen und Mooneys zu plaudern. Ganz unkompliziert – wie immer. Schließlich standen 12 unverkennbare Mooney Silouetten gut aufgereiht nebeneinander auf dem Parkplatz für die Allgemeine Luftfahrt. Angekommen zog schließlich die Gruppe zum eigens aufgebauten Zelt am Flughafenzaun, wo im Angesicht der aufgestellten Mooneys  ein exquisiter Grill bereit stand und gastfreundliche Helfer uns mit Speis und Trank versorgten. Auch hier mischten sich wieder schnell die bekannten Gesichter mit den Neulingen und man hatte bis in den späten Abend Stoff genug sich einzustimmen. Danach ging es den kurzen Weg zum MARITIM-Hotel, wo einige sich noch in der Hotelbar zu einem Absacker zusammenfanden, während andere  Teilnehmer lieber gleich die Bettschwere suchten. War doch schon um 9:00 Uhr am nächsten Morgen Treffen zu einer umfassenden Flughafenbesichtigung angesagt.

Pünktlich um 9:00 traf man sich auch in der Hotelhalle, ging den kurzen Weg zum Terminal und wurde dort äußerst nett von einer Hostess und der Assistentin der Geschäftsführung zu einem ausgefeilten und gut vorbereiteten Rundgang durch verschiedene „Gewerke“ des Flughafens. So erfuhren wir Details zur Geschichte des Flughafens, lernten die verschiedenen Ausbaustufen des Terminals HAJ Towerkennen um dann per Bus Feuerwehr, den Deutschen Wetterdienst und den neuen Tower in Hannover zu erkunden. Auch hier war man gut vorbereitet und wir wurden freundlich aufgenommen und lernten viel über Aufgaben, Infrastruktur und Einstellungen an Verkehrsflughäfen. Das war entscheidend: Denn ich lernte dabei, wie angelegentlich sich Feuerwehrleute, Vorfeldkontrolle und Towerlotsen sich um die Flieger kümmern und wie wichtig ihnen dabei auch das Wohl der Kleinfliegerei ist. Simulated ILS-Approaches? Gerne! Bei Problemen Hilfe suchen? Ja sicher! War das schlimm, dass gestern ein Airbus durchstarten musste, weil eine Mooney noch nicht abgerollt war? Warum, der hatte doch das Angebot die Bahn zu wechseln! Gefragt war Professionalität und ganz selbstverständlich wurde sie auch den „Kleinfliegern“ zugesprochen, wenn sie sich eben professionell verhalten. Und Mooniacs – wie wir wissen – genießen hier einen guten Ruf. So wandelte sich während des Rundgangs und während der Gespräche mein Bild des feindlichen Flughafen zu einem Verständnis, dass diese Flughäfen mit ihrer ausgebauten Infrastruktur für uns Mooniacs unendlich wichtig sind. Gerade weil Mooniacs oft IFR unterwegs sind können Flughäfen für uns wirklich ein wichtiger Ausgangspunkt und Hafen sein, wo wir versorgt und aufgefangen werden. Wenn dazu noch die Preise und die Serviceorientierung der Mitarbeiter stimmen, gibt es offensichtlich viele Gründe unsere Flughäfen als positive Infrastruktur­Einrichtungen zu verstehen. Ich muss gestehen, dass ich mir darüber in all den Jahren am Flughafen Bremen nicht viel Gedanken gemacht habe. Aber dazu gehört natürlich auch, dass man miteinander redet und im Gespräch bleibt. Nur so sind die wechselseitigen Anliegen zu vermitteln und Synergien zu erzielen. Das war schön zu erleben. Aber natürlich bedarf es dazu auch einer Geschäftsführung, die eine solche Orientierung stützt und fördert und durch eine angemessene Preispolitik Flughäfen auch erschwinglich macht. Das hat Hannover eben!

JathoNach diesem Rundgang ging es noch für eine Stippvisite in eine Halle  wo der Arbeitskreis Technik und Industriegeschichte von Hannover zusammen mit der Haus & Grund Bürgerstiftung an einem funktionsfähigen Nachbau des Jatho-Drachens arbeitet. Mit dem Jatho Drachen gelang es dem Hannoveraner Hans Jatho am 18. August 1903 – vier Monate vor den Gebrüdern Wright – der erste Motorflug überhaupt. Dies will man mit diesem Nachbau nachhaltig in Erinnerung rufen. Also inspizierten die Mooniacs interessiert die Halle, wobei man allerdings auch nicht verschweigen darf, dass ein Teil des Interesses den in der Halle auch abgestellten Mooneys galt.

Am Nachmittag standen eine ausführliche Stadtbesichtigung sowie ein Besuch der Herrenhäuser Gärten auf dem Programm. Wegen des nasskalten Wetters und einem Missverständnis beim gecharterten Bus wurde dieser Programmpunkt kurzerhand auf den Besuch der Herrenhäuser Gärten reduziert, wo uns ein kundiger Führer die Geschichte und Schönheit dieser bedeutenden Barockgärten nahebrachte. Auch hier war wieder beachtlich, wie zugewandt und gleichmütig unsere Treffen verlaufen. Denn während wir durch die Herrenhäuser Gärten wandelten und unserem Führer lauschten, ging ein gemeiner Platzregen herunter, der uns bis auf die Haut durchnässte. Selbst unter den Bäumen fand man schließlich keinen Schutz mehr. Aber das konnte der Stimmung keinen Abbruch tun. Da war kein Maulen oder Jammern. Man behalf sich mit den wenigen Regenschirmen oder schützte den Nachbarn oder die Nachbarin mit dem eigenen Regencape – damit wenigstens nur einer nass wurde.

Herrenhäuser GärtenAbends ging es dann per Taxi zu einem Landgasthof, wo ein reich gedecktes Buffet auf uns wartete. Wie üblich hatten die Moonicas sich gefunden und man saß in Gruppen und erzählte. Christopher und Thomas verteilten zum Abschluss noch Präsenttüten, die der Flughafen Hannover gestiftet hatte, damit wir ihn in guter Erinnerung behalten. So ging der Abend gemeinsam zu Ende und man verabschiedete sich in Gruppen bis zum nächsten Mal!

Das war wieder so ein typisches Mooney Fly-In und ich freue mich immer wieder, dass diese Treffen nie zu Meetings geschlossener Zirkel verkommen, sondern dass wir immer wieder neue Crews anziehen und dabei haben. Auch diesmal waren fünf neue Crews dabei, die sich nahtlos in die Riege der Altvorderen einfügten und sich offensichtlich sogleich wohl fühlten. Jedenfalls wurde mir versichert, dass man das nächste Mal wieder dabei sein werde. Das ist gut so. Allerdings werden wir auch noch daran arbeiten müssen, Strukturen zu schaffen, die es Veranstaltern erleichtern, solche Fly-Ins vorzubereiten und nicht auf den Risiken sitzen zu bleiben. Auch das gehört zur Zukunftssicherung und da sind Vorschläge willkommen.

HB-GDN in EDDVDamit verbleibt mir, den Organisatoren dieses Fly-Ins zu danken. Insbesondere gilt mein Dank Christopher Vitz, der mit viel Einsatz und Organisationstalent dieses Treffen vorbereitet hat. Das war eigentlich der Idealfall: Christopher war beim letzten Treffen in Jakabszallas zum ersten Mal dabei und gleich so angetan, dass er sich motiviert fühlte, selbst ein Fly-In zu organisieren. Nur so und in der wechselnden Initiative kann die mooney.de überleben und es ist schon richtig, dass wir den Faden nicht abreißen lassen dürfen. Unser Dank gilt natürlich auch wieder unserem (Web)-Master Thomas, der ja wahrlich unermüdlich ist, die Mooniacs zusammenzuhalten. Möge es uns auch weiter gelingen.  

Mit Fliegergrüßen

Bernd Hamacher

 

Weitere Bilder vom Fly-In findet Ihr in der Bildergalerie



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